Goldleder, geprägt und bemalt

Goldledertapete

aus der Werkstatt Raymond Boissier
Frankreich, Avignon um 1700
Einzelmaß:  57,5 x 116 cm, Gesamtfläche wie abgebildet: 1,72 x 2,30 m

Goldledertapeten waren im 15. bis 18. Jahrhundert in Europa sehr beliebt. Sie bespielten Wände in herrschaftlichen Bürgerhäusern oder Schlössern oder schmückten Altäre. Ursprünglich kam diese Technik aus dem Mittleren Osten und Nord Afrika. Daraus entwickelte sich eine hohe Handwerkskunst ausgehend von Spanien über Italien und den Niederlanden nach Deutschland, England und Frankreich. Gegerbtes Leder wurde mit Blattsilber verleimt und mit Goldlack überzogen, dann poliert. Was golden erscheint, ist tatsächlich Silber. Die unterschiedlichen Muster und Ornamente wurden mit Holzmodeln aufgedruckt und mit Punzen geprägt. Die anschließende Bemalung mit floralen oder figürlichen Motiven schenkte der Tapete ihre Farbigkeit und Lebendigkeit. Zum Schluss wurden die ledernen Tafeln auf Holzrahmen gezogen, die sich leichter an den Wänden befestigen ließen. So entstanden ganze Panneaux für die herrschaftlichen Salons der Epoche.

Dieses Panneau wurde restauriert und ist in einem guten Zustand. Es besteht aus sechs Teilen, drei mit floralen und drei mit figürlichen Motiven im Zentrum. Besonders die vermutlich im türkischen, italienischen und deutschen Stil gekleideten Figuren sind für die Werkstatt von Raymond Boissier bekannt (siehe „Goldrausch – Die Pracht der Goldledertapeten“ von Sabine Thümmler und Caroline Ewa Gerner, Hirmer Verlag München), die aufrund ihrer Haltung und Positionierung auf Podesten an Tänzer oder Theaterfiguren erinnern. Auch das Deutsche Tapetenmuseum in Kassel zeigt Teile aus dieser Tapetenserie der Manufaktur Boissier.